Landrätin Silke Gorißen (Foto: Kreis Kleve-Markus van Offern)
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Kreis Kleve. „Das ‚Wir‘ über das ‚Ich‘ stellen, um unsere Mitmenschen im Blick zu behalten“

 

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

fragen Sie sich auch manchmal, wo das Jahr 2021 geblieben ist? Die täglichen Corona-Nachrichten, das unermüdliche Schauen auf Inzidenz- und Impfzahlen wie auch ungezählte ministerielle Erlasse prägen den Eindruck, als würde die Pandemie schon viele Jahre andauern. Wir alle hatten die Hoffnung, dass das Jahr 2021 eine Wende einleiten würde. Doch die drastisch gestiegenen Corona-Fallzahlen der letzten Wochen und die erneut hohe Zahl an Patientinnen und Patienten in den Krankenhäusern zeigen uns, dass das Ende der Pandemie noch nicht in Sicht ist. Trotzdem – oder gerade deshalb – möchte ich heute das Jahr 2021 aus meinem Blickwinkel als Landrätin des Kreises Kleve Revue passieren lassen.

Auch das zweite Jahr der Corona-Pandemie stellte uns alle vor immer neue Herausforderungen. Dazu gehörte für die Kreisverwaltung Kleve sicherlich die kurzfristige Errichtung eines Impfzentrums im Kreisgebiet. Weniger als einen Monat hatten wir Zeit, einen geeigneten Ort dafür zu finden und das Impfzentrum „betriebsbereit“ zu machen. Unsere Entscheidung, dabei externe Fachleute mit einzubinden, erwies sich als „goldrichtig“. Allen Partnern und Mitarbeitern, die gemeinsam mit uns an den 235 Betriebstagen des Impfzentrums insgesamt mehr als 255.000 Impfungen durchgeführt haben, gilt mein herzlicher Dank.

Niemals werde ich den 08. Februar 2021 vergessen. An diesem Tag startete das Impfzentrum Kreis Kleve. Auch der Niederrhein versank seinerzeit im meterhohen Schnee. Ungeachtet des auto-feindlichen Wetters machten sich die impfwilligen Seniorinnen und Senioren – oft mit Hilfe von Kindern, Enkeln oder Freunden – auf den Weg nach Kalkar. An diesem kalten Montagnachmittag habe ich mit vielen Gästen persönlich gesprochen. Nicht Unmut über die schwierigen Witterungsverhältnisse oder die langen Fahrzeiten prägten die Gespräche, sondern die Freude und die Dankbarkeit über die anstehende Corona-Schutzimpfung. Das hat mich zutiefst beeindruckt und bewegt. In den darauf folgenden Monaten, wenn uns manchmal mehrmals wöchentlich neue Erlasse zu den Impfstoffen oder zu den berechtigten Personengruppen erreichten, wenn Lockdowns, Inzidenzwerte, 2- oder 3-G-Regeln, die neuen mobilen Impfangebote oder die Omikron-Virus-Variante uns alle vor immer wieder geänderte Situationen stellten, dann erinnerte ich mich gerne an diesen 08. Februar. Ich rief mir die Zuversicht der Menschen und ihre Erleichterung über den Impfstoff ins Gedächtnis. Sodann stellte sich auch bei mir ein Stück weit Dankbarkeit ein. Dankbarkeit dafür, in diesem Land zu leben. Denn bei allen Schwächen und landauf, landab geäußerten Kritikpunkten: Wo wären wir besser durch die vergangenen beiden Jahre der Corona-Pandemie gekommen als hier in Deutschland …

Auch das Jahr 2021 war in zahllosen Bereichen ein Jahr der Einschränkungen. Geschlossene Kitas, Distanzunterricht in Schulen ohne Schüler, monatelange Abstinenz bei Kulturveranstaltungen, Einzelhandel im Lockdown, gastronomische Angebote für lange Zeit nur „to go“ und seit November erneut abgesagte Veranstaltungen – die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Dieses Leben mit dem Corona-Virus ist und bleibt eine schwere Prüfung für das gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Leben auch im Kreis Kleve. In den vergangenen Monaten habe ich viele Gespräche mit Unternehmerinnen und Unternehmern, mit Freiberuflern und Kulturschaffenden geführt, die sich – ungeachtet wirtschaftlicher Hilfen von Bund und Land – um ihre berufliche und private Existenz sorgen. Denn niemand weiß, wie lange noch die Corona-Pandemie unser Leben bestimmen wird. Das zeigen uns auch die aktuellen Entwicklungen der letzten Wochen. Diese Ängste nehme ich sehr ernst. Seien Sie versichert: Wir behalten auch künftig bei unserem Handeln Ihre Sorgen im Blick!

An dieser Stelle gilt mein besonderer Dank auch in diesem Jahr den vielen engagierten Frauen und Männern in den Bereichen Gesundheitsdienst und Altenpflege, im Rettungsdienst und bei der Polizei. Sie verdienen unseren demütigen Dank und unseren Respekt für ihren oft riskanten Dienst auch an Wochenenden und Feiertagen. Leider fehlt es bei den Einsätzen immer wieder an Respekt. Der Ton ist rauer und aggressiver geworden. Die häufigen Hinweise aus dem Rettungsdienst, von den Impf-Teams, von der Polizei und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Gesundheitsamt über verbale und tätliche Angriffe machen mich immer wieder fassungslos. Auch wenn die vielen Monate der Pandemie an unseren Nerven zehren, so sind solche Übergriffe unentschuldbar.

Ein herzliches „Dankeschön“ richte ich heute auch an die zahlreichen Menschen, die in Kitas und Schulen, im Handel, in Service- und Dienstleistungsbereichen und nicht zuletzt auch in der Kreisverwaltung Kleve ihren Teil dazu beigetragen haben, dass wir alle so gut wie möglich durch diese Pandemie kommen. Wir alle werden Ihr besonderes Engagement auch im kommenden Jahr brauchen.

Viele Gruppen in unserer Gesellschaft bleiben schützenswert: die Kleinsten können sich nicht impfen lassen, die geimpften Älteren und Hochbetagten bleiben vulnerabel. Deshalb müssen wir achtsam und besonnen bleiben. Darüber hinaus ist die Impfquote in der Gesamtbevölkerung – ungeachtet der Auffrischungsimpfungen – immer noch zu gering, um einen Schutz „in der Breite“ zu bieten. Ich appelliere an alle Bürgerinnen und Bürger, die noch ungeimpft sind: Lassen Sie sich impfen, um sich und Ihre Mitmenschen vor schweren Krankheitsverläufen zu schützen. Ebenso sollten alle immunisierten Personen die Angebote zur Auffrischungsimpfung nutzen.

Wir müssen auch weiterhin an vielen Stellen auf Liebgewonnenes verzichten – zum eigenen Schutz und zum Schutz unserer Mitmenschen. Dennoch sollten wir dankbar sein für die vielen kleinen Dinge, die „Licht“ in unseren Alltag bringen: ein freundliches Wort, eine mitfühlende Geste oder ein geduldiges Zuhören im oft hektischen Alltag. Wichtig ist mir, dass wir alle unsere Mitmenschen im Blick behalten, das „Wir“ über das „Ich“ stellen. Dann werden wir auch die künftigen Herausforderungen gemeinsam meistern.

Nun sind es nur noch wenige Tage im Advent. Genießen Sie die Festtage im Kreise Ihrer Lieben. Ich wünsche Ihnen allen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und einen friedlichen Rutsch. Möge uns das Jahr 2022 wieder etwas mehr Alltag und Normalität in unser Leben bringen.

 

Ihre

Silke Gorißen
Landrätin

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