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Duisburg. Das Jungtier in Gummibärchengröße krabbelte selbstständig in den Beutel von Mutter Eora. Entwickelt sich das Kleine normal, wird es in etwa fünf Monaten wieder zu sehen sein.

Europaweit gilt der Zoo Duisburg als Kompetenz- und Zuchtzentrum für Koalas. Zahlreiche Jungtiere der grauen Beuteltiere sind bereits am Kaiserberg groß geworden. Nun hat Revierleiter Mario Chindemi eine besondere Beobachtung gemacht: Er konnte die Geburt eines kleinen Koalas live verfolgen.

Plötzlich ist es da: Rosa, völlig haarlos und nicht größer als ein Gummibärchen wird das Koalajungtier nach 32 Tagen Schwangerschaft geboren. Mit dem flauschigen Aussehen seiner Artgenossen hat das Kleine noch nichts gemein. Wie ein rosa Wurm krabbelt es selbstständig durch das graue Fell von Mutter Eora in Richtung Beutelöffnung. „Die Strecke von der Urogenitalöffnung des Weibchens bis zum schützenden Beutel ist mit rund sieben Zentimeter aus menschlicher Sicht nicht weit, für so einen Winzling ist es aber ein beschwerlicher Weg mit vielen Gefahren“, weiß Revierleiter und Koalakenner Mario Chindemi. Der Grund: Die Mutter kann ihrem Jungtier nicht helfen. „Bei der Geburt verharren die Weibchen in einer Art Trance. Sie bewegen sich nicht, damit das Kleine den Weg in den Beutel finden kann“, erklärt Chindemi. Im schützenden Beutel angekommen, sucht sich das blinde und taube Jungtier mit Hilfe der Nase eine der zwei Zitzen aus, krabbelt an diese heran und saugt sich fest. In genau diesem Moment schießt die Mutter Milch in die Zitze, die daraufhin im Mund des Mini-Koalas stark anschwillt. „Das Prinzip funktioniert wie bei einem Druckknopf – so wird das Kleine fest an der Zitze gehalten“, veranschaulicht der Koalapfleger.

Koalageburt_Koalweibchen Eora (Foto: Zoo Duisburg / I. Sickmann)

Als das nun geborene Jungtier den schützenden Beutel von Mutter Eora erreichte, machte sich Erleichterung breit. „Die Anspannung fällt etwas ab“, erzählt Chindemi, der aber auch um die Herausforderungen der nächsten Zeit weiß: „Es ist ein erster Schritt, nun müssen wir die Daumen drücken. Passieren kann immer etwas, das haben wir in der Vergangenheit auch erleben müssen“. Im Verborgenen und für Pfleger wie Besucher unsichtbar, wird das winzige Koalakind in den nächsten Monaten hoffentlich stetig wachsen und an Gewicht zunehmen. Nur über die Gewichtskontrolle der Mutter lassen sich Rückschlüsse auf den Entwicklungszustand des Jungtieres ziehen. Läuft die Aufzucht unproblematisch, so wird das Pflegerteam rund vier bis sechs Wochen nach der Geburt auch äußerlich Bewegungen sehen. Später schaut dann mal ein Ärmchen oder Beinchen heraus. Erst nach fünf bis sechs Monaten wird dann der Kopf zu sehen sein.

Für Revierleiter Chindemi war es nicht die erste Geburt, die er live verfolgen konnte. „Mittlerweile durfte ich bei diesem besonderen Moment sechs Mal dabei sein. Und es ist jedes Mal wieder sehr bewegend“, betont der Tierpfleger. Denn meist gebären die Weibchen in der Nacht und das ist dann auch für die betreuenden Pfleger unsichtbar. Das dieser so besondere Moment festgehalten werden konnte, ist für die Zucht von Koalas enorm wertvoll. „Die Aufnahmen können wir nun der Fachwelt zur Verfügung stellen. Sie helfen den Kolleginnen und Kollegen dabei den komplexen Geburtsvorgang noch besser verstehen zu können“, so Dr. Kerstin Ternes. Die Zootierärztin koordiniert von Duisburg aus die europaweite Zucht der bedrohten Beuteltiere im Rahmen des EEP (Europäisches ex-situ Programm). „Das EEP ist eine Art Singlebörse für Zootiere und dafür da, genetisch geeignete Partner zu finden und diese zusammen zu führen. Dadurch trägt die Zoogemeinschaft dazu bei, wichtige Reservepopulationen fernab des ursprünglichen Lebensraumes zu schaffen. Das ist insbesondere bei den bedrohten Arten enorm wichtig“, so Dr. Ternes.

 

Video der Koalageburt (YouTube): © Zoo Duisburg / M. Chindemi

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