Dr. Joachim Gutzke (Foto: St. Augustinus Gruppe)

Neuss/Bad Münstereifel. Vorträge zu halten, das liegt Dr. Joachim Gutzke sehr. Der Leitende Oberarzt am Alexius/Josef Krankenhaus lud vor der Pandemie regelmäßig zu Abendveranstaltungen in die psychiatrische Klinik und referierte über die verschiedensten Themen. Anfang April wird der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie erneut Vorträge zu den Themen Burn-Out und Depression halten – diesmal allerdings nicht in Neuss, sondern für Mitarbeitende und Ehrenamtliche der Kirchengemeinde in Bad Münstereifel. Denn als sogenannter Kommendator des Lazarus Ritterordens engagiert sich Joachim Gutzke in den Flutgebieten im Erfttal und initiierte über seinen Orden eine äußerst erfolgreiche Spendenaktion.

Exakt 4.000 Euro hat Gutzkes eigene Kommende – der Verwaltungsbezirk Rheinland des Lazarus Ritterordens – zusammenbekommen. Mit den Spenden der anderen vier Kommenden in Deutschland und einer großen Zuwendung des Hilfswerks Deutscher Zahnärzte ergab sich insgesamt die stolze Summe von 12.242 Euro! Gemäß der ökumenischen Ausrichtung des Ordens soll das Geld zu gleichen Teilen an Projekte der katholischen und der evangelischen Kirche vergeben werden. So wird in der evangelischen Gemeinde die psychosoziale Betreuung von Kindern und Jugendlichen unterstützt, die durch die Flut traumatisiert sind: Selbsthilfegruppen werden aufgebaut, Mitarbeitende der Gemeinde und Ehrenamtliche geschult – unter anderem wird Gutzke in Bad Münstereifel ein Ganztagsseminar über Depressionen und Burn-out durchführen.

Joachim Gutzke war selbst mehrfach in den Flutgebieten und weiß, wie sehr dort die Hilfe auch ein halbes Jahr nach der Katastrophe gebraucht wird. „An den Häusern der Altstadt von Bad Münstereifel kann man an der Verschmutzung der Fassaden und den mit Brettern und Stahlplatten verschlossenen Fenstern und Türen sehen, dass die Flut über das Erdgeschoss hinaus durch den Ort gejagt war“, berichtet er. „Die Atmosphäre der sonst so lebendigen Stadt war bedrückend und gespenstisch.“ Die Belastung komme oft erst jetzt, Monate nach der Katastrophe, hoch. „Obwohl der Wiederaufbau begonnen hat, wirken viele Kinder und Jugendliche sehr erschöpft und rechnen mit der nächsten Flut. Sie überlegen beispielsweise, wo sie wichtige Dinge hinhängen sollen, damit sie diese schnell zur Hand haben, wenn das Wasser wiederkommt“, weiß der Oberarzt des Alexius/Josef Krankenhauses. Die geplanten Selbsthilfegruppen sollen dann in Euskirchen stattfinden – in einiger Entfernung vom Konfliktfeld.

Von der katholischen Kirche wird das Marienheim der Cellitinen unterstützt. Die Flut hatte in dem Seniorenheim 16 Zimmer von Bewohnern, sechs Büros und die Küche verwüstet. Mitarbeitende mussten die Bewohner über eine schmale Treppe evakuieren. Auch ein halbes Jahr nach der Katastrophe ist das Tiefgeschoss des Heimes noch unbewohnbar und muss aufwändig renoviert werden. Auch hier wird Gutzke ein Seminar für die Mitarbeitenden anbieten.

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