Zeche Wiesche Gewerkenversammlung 1904 (IBK-Archiv)

Mülheim an der Ruhr. Mülheimer Bergbauverein lässt Bergwerksgeschichte aufleben

Viel ist von der einstigen Zeche Wiesche heute nicht mehr zu sehen. Und doch gibt es noch Reste des Bergwerks, das über mehrere Jahrhunderte in Betrieb war. Zu ihnen gehört u.a. das Fördermaschinenhaus von Schacht Wiesche 2. Am kommenden Donnerstag, 31. März 2022, liegt die Fördereinstellung des Bergwerks genau 70 Jahre zurück. Zu diesem Anlass erweckt der Mülheimer Bergbauverein die Zeche Wiesche mit einer öffentlichen Führung noch einmal zum Leben. Und es sind noch Plätze frei.

Eine der ältesten Mülheimer Zechen

Schon vor 1700 war das Bergwerk „In der Wieschen“ in Betrieb und gehört damit zu den ältesten Zechen im heutigen Stadtgebiet. Sein Ursprung lag im Bereich der heutigen Buggenbeck, wo man Stollen in den Berg trieb, um an das begehrte schwarze Gold zu gelangen. Einfach war das nicht, denn schon damals war das untertage zufließende Wasser ein großes Problem, ein nicht auf Nachhaltigkeit ausgelegter Betrieb erschwerte die Arbeit zusätzlich. Erst die kostenintensive Auffahrung eines über 2,5 km langen Stollens von der Ruhr bis zum damaligen Bergwerksbetrieb, durch den das Wasser von Wiesche, aber auch der umliegenden Bergwerke abgeleitet werden konnte, brachte eine erste Verbesserung. 1809 ging man durch Teufen des Schachtes „Friedrich“ vom Stollenbergbau auf den Tiefbau über, nachdem Dampfmaschinen den Betrieb von Pumpen und somit den Weg in die Tiefe möglich gemacht hatten.

Weiterentwicklung des Bergwerks

Lagen die ersten Schächte von Wiesche Anfang des 19. Jahrhunderts noch im unteren Bereich der Buggenbeck, dehnte sich das Bergwerk durch Anlage weiterer Schächte später auch auf den oberen Teil des Taleinschnittes aus. 1832 begann man schließlich mit den Arbeiten für den neuen Tiefbauschacht Emilie am heutigen Wiescher Weg und erweiterte das Grubenfeld bis ins Winkhauser Tal. 1861 nahm die Zeche Wiesche eine Vorreiterrolle ein, als man die erste Brikettfabrik im Ruhrgebiet in Betrieb nahm. Nachdem man an diesem Standort wenige Jahre später einen zweiten Schacht in Betrieb genommen hatte, förderte das Bergwerk hier bis 1952 kontinuierlich die Kohle aus den Wiescher Grubenfeldern zutage.

Das Ende von Wiesche

Schon früh hatte es um 1900 einen Durchschlag, also eine untertägige Verbindung, zwischen den Zechen „Wiesche“ und „Rosenblumendelle“, sowie mit „Humboldt“ gegeben und die Voraussetzungen für die weiteren Entwicklungen waren geschaffen. Kurz nach dem zweiten Weltkrieg begannen die Arbeiten zum Ausbau der Schachtanlage „Rosenblumendelle 1/2“ zur Zentralschachtanlage. Während die Zechen Hagenbeck in Essen-Frohnhausen und Humboldt auf dem Gelände des heutigen Rhein-Ruhr-Zentrums schon in den 1930er-Jahren die eigenständige Förderung eingestellt hatten, und die Kohle aus den dortigen Grubenfeldern auf Rosenblumendelle zutage gefördert wurde, lief die Förderung auf Wiesche zunächst weiter. Am 31.03.1952 erfolgte jedoch auch hier die Fördereinstellung auf der Schachtanlage Wiesche 1/2 am Wiescher Weg und die Kohle aus dem Feld wurde untertage zur neuen Zentralschachtanlage Rosenblumendelle 1/2 transportiert. Auch die Brikettfabrik von Wiesche wurde ein Jahr später stillgelegt und ihre Aufgabe kurz darauf von der modernsten Brikettfabrik Westeuropas auf Rosenblumendelle übernommen. Den Wiesche-Schächten kam bis 1960 noch die Aufgabe als Seilfahrts- und Wetterschächte zu, bis auch sie endgültig aufgegeben und verfüllt wurden. 6 Jahre später endete am 29.07.1966 die Geschichte des Mülheimer Bergbau mit der Stilllegung der letzten Zeche Rosenblumendelle endgültig.

Verein zeigt stille Zeugen der einstigen Bergwerksanlagen

Wer heute noch Reste von Wiesche und den anderen Bergwerken erkennen will, der muss genau hinsehen. Die erhaltenen Gebäude sind nicht mehr ohne weiteres als Bergwerks-anlagen erkennbar und auch die ehemaligen Schächte findet man nur noch schwer. Deswegen bittet die Arbeitsgemeinschaft Mülheimer Bergbau innerhalb des Initiativkreises Bergbau und Kokereiwesen e.V. in diesem Jahr wieder mehrere Bergbauführungen zu den ehemaligen Standorten der Bergwerke an:

Am Sonntag, 03.04.2022 besteht die Möglichkeit mit dem Verein die Zechen Wiesche, Sellerbeck und Leybank, sowie den Eisensteinbergbau kennenzulernen. Ausgerüstet mit Fotos, Karten und Original-Exponaten lässt ein Mitglied des Vereins bei einer Wanderung zu den Bergwerksstandorten die Zechen und die Bergleute noch einmal zum Leben erwachen. Für die Führung sind noch freie Plätze vorhanden.

Am 15.05.2022 wandelt der wieder Verein auf den Spuren der Kumpel und bietet einen Rundgang um und über die ehemalige Zeche Rosenblumendelle an. „Glückauf, der Steiger radelt!“ heißt es am 14.08.2022 bei einer Radtour unter anderem zu den Zechen Hagenbeck und Rosenblumendelle. Und wer mit dem Verein lieber untertage gehen möchte, der hat am 02.09.2022 im Trainingsbergwerk Recklinghausen oder am 24.09.2022 im historischen Stollenbergwerk „Graf Wittekind“ in Dortmund-Syburg die Gelegenheit dazu.

Informationen zu den einzelnen Führungen und zur Anmeldung gibt es unter www.bergbauverein.de oder telefonisch unter 02361 / 93 81 322.

Initiativkreis Bergbau und Kokereiwesen e.V. / Arbeitsgemeinschaft Mülheimer Bergbau

“Der Vergangenheit eine Zukunft geben…!” lautet das Motto des 1995 gegründeten “Initiativkreis Bergbau und Kokereiwesen e.V.”. Seit der Stilllegung des letzten Steinkohlenbergwerks Ende 2018 gilt es, die Erinnerung an diesen für das Ruhrgebiet so wichtigen und prägsamen Zweig der Montanindustrie mit all seinen Facetten wach zu halten.

Der Schwerpunkt der ausschließlich ehrenamtlichen Vereinsarbeit liegt in der Dokumentation und Darstellung der Geschichte des Bergbaus in Mülheim an der Ruhr. Hierzu gehört zum einen die theoretische Arbeit in Form von Recherchen in Archiven und dadurch die Dokumentation der Historie der einzelnen Bergwerke. Zum anderen möchte der Verein die Erkenntnisse aktiv der Öffentlichkeit in Form von Ausstellungen, Publikationen, Vorträgen und verschiedensten Bergbauführungen vorstellen. Zusätzlich zur theoretischen Arbeit setzen sich unsere Mitglieder auch aktiv für den Erhalt montanhistorischer Relikte ein und arbeiten mit anderen themenbezogenen Vereinen und Einzelpersonen zusammen.

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