(Foto: AWO)

Moers. Die AWO bietet in jeden Schulferien neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen das “FerienIntensivTraining-Fit in Deutsch” an. In diesen Osterferien besteht ein Kurs ausschließlich aus ukrainischen Schüler*innen, die erst vor kurzem mit ihren Müttern vor dem Krieg geflüchtet sind. Ziel des zweiwöchigen Sprachkurses ist, ihnen eine schnelle Integration in eine deutsche Schule zu ermöglichen.

Vokabeln und Grammatik lernen in den Schulferien? Das ist für die meisten Schüler*innen wohl wenig verlockend. Den 22 geflüchteten Kindern und Jugendlichen zwischen 5 und 17 Jahren, die bei der AWO in Moers an dem Kurs teilnehmen, scheint es zu gefallen. Die Sprachförderung, die vom Schulministerium NRW ermöglicht wird, ist intensiv und abwechslungsreich: Vormittags wird Deutsch gelernt, nachmittags gibt es gemeinsame Freizeitaktivitäten.

“Mein Name ist Nazar. Ich komme aus Mariupol. Meine Lieblingsfarbe ist blau” sagt der Zehnjährige fast akzentfrei und freut sich über das Lob seines Lehrers. Der Junge ist in der Klasse der 5- bis 10-Jährigen. Heute lernen sie, wie man sich bei anderen vorstellt. Nebenan üben die 11- bis 17-Jährigen das Konjugieren von Verben. “Ganz schön schwer”, meint Elina, aber in ihrem Schulheft sieht man, dass sie alle Aufgaben fehlerfrei erledigen kann. Die Zwölfjährige besuchte in ihrer Heimatstadt Dnepr die 7. Klasse eines Gymnasiums. Vor ein paar Wochen kam sie mit ihrer Mutter Olga nach Moers. Bisher hatte sie Online-Unterricht aus der Ukraine, nach den Osterferien soll sie in Moers zur Schule gehen. Sie vermisst ihre Freundinnen und hofft, dass sie sich schnell einfinden kann und von ihren neuen Klassenkameraden gut aufgenommen wird. “Das Wichtigste war, unsere Kinder in Sicherheit vor dem Krieg zu bringen”, berichtet ihre Mutter Olga über die Flucht. Die anderen Mütter nicken zustimmend.

In der Küche des AWO-Hauses in der Neckarstraße bereiten sie täglich das Frühstück für die Schüler*innen vor, die nebenan am Unterricht teilnehmen. Nachmittags organisieren sie Freizeitangebote, z.B. Ausflüge in die nähere Umgebung. Die geregelte Tagesstruktur und die gemeinsamen Aktivitäten tun Kindern und Müttern gleichermaßen gut; lenkt sie ab von düsteren Kriegsgedanken. Es ist ungewiss, ob und wann sie in ihre Heimat zurückkehren können. Die Frauen bereiten sich darauf vor, mit ihren Kindern länger in Deutschland zu bleiben und möchten deshalb auch schnell Deutsch lernen, um hier arbeiten zu können. Olga hat in der Ukraine in der Marketingabteilung eines Pharma-Unternehmens gearbeitet und weiß, dass sie hier nur mit guten Sprachkenntnissen Arbeit finden wird. Das Problem sind die mangelnden Kursangebote für Erwachsene.

“Sprachkurse, z.B. an der VHS, sind aktuell komplett ausgebucht”, erklärt Olga Weinknecht, die den Arbeitsbereich Flucht und Migration beim AWO-Kreisverband leitet. “Eine Alternative könnten privat organisierte Sprachkurse sein”, und fügt einen Aufruf hinzu: „Alle, die Erfahrungen in der Vermittlung der deutschen Sprache haben und sich ehrenamtlich für eine schnelle Integration der geflüchteten Ukrainer*innen engagieren möchten, sind herzlich eingeladen, sich zu melden weinknecht(at)awo-kv-wesel.de.“

So lange werden die Mütter wohl ihren Kindern beim Lernen über die Schulter schauen. Nazar, Elina und die anderen Kinder sind dank des Sprachtrainings sicherlich schon bald sehr fit in Deutsch.

Beitrag drucken
Anzeigen