(Foto: privat)

Mülheim an der Ruhr. „Wer glaubt, gewinnt“

Das Mittendrin-Sein im Gemeindeleben und die persönlichen Kontakte an jedem Tag, das wird er wohl am meisten vermissen, so schätzt Pfarrer Hans-Joachim Norden mit Blick auf seinen Ruhestand. Seit Anfang April ist der Theologe aus der Mülheimer Markuskirchengemeinde offiziell nicht mehr im Dienst. Am Sonntag, 15. Mai, lädt die Gemeinde zur Verabschiedung ein. Der Gottesdienst findet um 10 Uhr im Gemeindezentrum am Knappenweg 28 statt.

„Man kennt sich, trifft sich, hilft sich und man feiert miteinander“, das macht für den Mülheimer Seelsorger ein gelingendes Gemeindeleben aus. „Als Gemeinde begleitet man Menschen ein ganzes Leben. Das bedeutet auch, das man Menschen in schweren Zeiten zur Seite steht. Man feiert nicht nur Hochzeiten und Taufen, sondern auch Beerdigungen miteinander. Schicksalhafte und schwere Wendungen im Leben hat zum Beispiel unsere Gruppe ,Begleiten bis zuletzt‘ aufgefangen.“

Hans-Joachim Norden, von vielen „Acu“ gerufen, hat in fast 35 Jahren Gemeindeleben in Markus viel Wert auf Begegnungen auf Augenhöhe gelegt. „So bin ich eigentlich mit jedem hier per Du“, sagt der Ruheständler. „Mir war es immer wichtig, dass Menschen, die sich in der Gemeinde engagieren wollen, ein ,Ja‘ bekommen und kein ,Nein‘“. So sind im Laufe der Jahre viele gesellige Projekte im Gemeindezentrum am Knappenweg entstanden: Kabarett und Musical im Gemeindesaal gehörten ebenso dazu wie eine Ruhrpott-Party im Oktober mit „Arschleder statt Lederhose“, bei der der Kirchsaal zur Kaue wurde.

Auch an intensive Bibelarbeiten und Glaubenskurse erinnert sich Pfarrer Norden. „Zugegebenermaßen fanden die oft in kleinerem Kreis statt, was sie nicht weniger wertvoll macht. Die Diskussionen und Erkenntnisse waren für alle beteiligten ein Gewinn. Aber über den Magen erreicht man letztlich mehr Menschen als über Ohr und Gehirn. Deswegen war es in unserer Gemeindeküche immer lebendig. Wir hatten ein regelmäßiges Frühstückangebot oder auch einen Mittagstisch, zu dem wir unter dem Titel ,Mahl-Zeit‘“ eingeladen haben. Die Pandemie hat dann viele Angebote gestoppt. Das fühlte sich oft an, wie mit Volldampf vor die Wand laufen.“

Ganz gleich ob Glaubensgespräche oder Mittagstisch: „Gemeindearbeit ist Teamarbeit“, sagt der scheidende Pfarrer. Ganz besonders hat ihm die Gemeinde-KiTa am Herzen gelegen. Die eingruppige Einrichtung „Unter dem Regenbogen“ ist im Winkhausener Gemeindezentrum beheimatet. Perspektivisch soll ein auf vier Gruppen erweiterter Neubau in etwa anderthalb Jahren eröffnet werden.

Dass die gemeinsame Entwicklung in Gemeinde und Kirchenkreis nicht immer ohne Reibung vonstatten geht, bleibt aus den Diskussionen um den Gemeindehaus-Standort und die daraus erwachsene Initiative „Winkhausen 24“ in Erinnerung. „Aber letztlich hat das unser Gemeindeleben intensiviert und wir sind daraus gestärkt hervorgegangen“, sagt Pfarrer Hans-Joachim Norden in der Rückschau. In der Markuskirchengemeinde wird seine Pfarrstelle wegen sinkender Mitgliederzahlen nicht mehr in vollem Umfang nachbesetzt werden. Vorerst rückt Pfarrer Dr. Görge Hasselhoff als Vertretung nach.

Über die Gemeindegrenzen hinaus hatte Pfarrer Norden immer auch die Ökumene im Blick – sowohl lokal als auch global. „In Winkhausen haben wir in dieser Hinsicht öfter vom ,Bermuda-Dreieck’ gesprochen“, erinnert sich der Theologe an viele gemeinsame Aktivitäten, wie etwa die Sankt-Martins-Feiern, die sich zwischen seinem Gemeindezentrum, dem katholischen von Christ König und der benachbarten Grundschule entwickelt haben. Aus seiner Ausbildungszeit in Köln-Klettenberg bringt Hans-Joachim Norden eine Verbindung nach Südamerika mit, „Drei Mal sind wir nach Nicaragua gereist“, erinnert er sich. Eine Erinnerung an Südamerika schmückt auch heute noch den Kirchsaal: das große bunt bemalte Holzkreuz aus El Salvador.

Im Ausschuss für Mission und Ökumene hat sich Pfarrer Norden auch im Kirchenkreis engagiert, war zudem langjähriges Mitglied des Öffentlichkeitsausschusses und nicht zuletzt acht Jahre lang als Skriba Teil des Leitungsteams des Kirchenkreises An der Ruhr. „Es war mir wichtig, auch über strukturelle Fragen ins Gespräch zu kommen“, sagt er. Mit großer Leidenschaft saß und sitzt Hans-Joachim Norden außerdem ganz vorne im evangelischen Drachenboot-Team der „Heaven’s Angels“. Dem Team wird er erhalten bleiben, wenn auch künftig nicht mehr in der ersten Reihe, die Rolle als Teamcaptain wird er weitergeben. Norden: „Das Motto des Drachenboot-Teams wird aber auch weiterhin mein ganz persönliches bleiben: ,Wer glaubt, gewinnt – fürs Leben‘“.

Fürs allererste gewinnt der Theologe viel freie Zeit. Der Umzug an den Kassenberg steht an und danach die Aussicht auf für den ein oder anderen Segelausflug und vor allem für mehr gemeinsame Stunden mit Frau Maria, drei erwachsenen Kindern und der Enkelin.

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