Symbolfoto (Foto: Ingo Bartussek)

Bonn. Nehmen Gedächtnisprobleme mit dem Alter zu, denken viele Menschen direkt an Alzheimer. Aber bei welchen Anzeichen wird es tatsächlich bedenklich? Zum Welt-Alzheimertag am22. Juli haben wir unseren Experten und Chefarzt Dr. Jens Felix Wagner vom Helios Klinikum Bonn/Rhein-Sieg gefragt.

Vergesslichkeit oder schon Alzheimer – woran kann ich das erkennen?

Dr. Jens Felix Wagner: Einen Schlüssel verlegen, einen Namen vergessen – das kennen wir alle. Menschen mit Alzheimer-Demenz erleben das jedoch zunehmend häufiger. Der verlegte Schlüssel findet sich im Kühlschrank, der Hobbykoch vergisst den Herd auszuschalten oder die Handwerkerin weiß nicht mehr, wie eine Zange zu benutzen ist. Hinzu kommen Orientierungsschwierigkeiten, die den Alltag erschweren. Mediziner können klären, ob die geistige Leistungskraft eines Menschen seinem Alter und seinen früheren Fähigkeiten entspricht oder ob die Vergesslichkeit auf eine Demenz hindeutet.

Was ist der Unterschied zwischen Alzheimer und Demenz?

Dr. Jens Felix Wagner: Demenz ist der Oberbegriff für Erkrankungsbilder, die mit dem Verlust der geistigen Funktionen wie Denken, Erinnern und Orientierung einhergehen. Der Morbus Alzheimer ist mit etwa 60 Prozent die häufigste Ursache einer Demenz. Sie führt dazu, dass in bestimmten Bereichen des Gehirns allmählich Nervenzellen und Nervenzellkontakte absterben.

Wenn Verdacht auf Alzheimer besteht, was soll ich tun?

Dr. Jens Felix Wagner: Sollten sich Anhaltspunkte für eine Erkrankung ergeben, ist eine frühe Diagnose für den Betroffenen und seine Angehörigen wichtig. Erster Ansprechpartner ist stets der Hausarzt. Er wird neben einem Gespräch mit dem Betroffenen und den Angehörigen eine umfassende Untersuchung sowie einige Tests durchführen. Werden weitere Untersuchungen erforderlich, folgt die Überweisung zum Neurologen oder einer speziellen Ambulanz. Sobald die Diagnose gestellt ist, sollten Angehörigen und Betroffene sich Informationen und Unterstützung suchen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Dr. Jens Felix Wagner: Die Alzheimer-Krankheit ist bisher unheilbar. Es gibt trotz intensiver Forschung bislang kein Medikament, das den Verlust der Nervenzellen im Gehirn aufhalten kann. Trotzdem kann der Verlauf durch eine medikamentöse Behandlung verzögert und die Symptome gelindert werden. Um die Lebensqualität zusätzlich zu verbessern stehen auch nicht-medikamentöse Ansätze wie Musik- und Kunsttherapie sowie Logopädie und Ergotherapie zur Verfügung.

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