Dr. Wolfgang Groß, langjähriger Chefarzt der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, verabschiedet sich nach fast 40-jähriger Tätigkeit im Krankenhaus Bethanien in den verdienten Ruhestand (Foto: bettina engel-albustin / Foto Agentur-Ruhr)
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Moers. Der Chefarzt der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten Dr. Wolfgang Groß geht nach fast 40 Jahren Tätigkeit im Krankenhaus Bethanien in den verdienten Ruhestand

Dr. Wolfgang Groß, langjähriger Chefarzt der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten im Bethanien, verabschiedet sich Ende des Jahres als Chefarzt aus dem Moerser Krankenhaus. Der gebürtige Krefelder war 38 Jahre im Bethanien tätig, davon 20 als Chefarzt der Nephrologie. Anfang nächsten Jahres geht Dr. Groß in den verdienten Ruhestand. Während seiner Zeit im Bethanien hat er alle Karrierestufen eines Krankenhausarztes beschritten – vom Assistenzarzt über die Positionen des zweiten und ersten Oberarztes bis hin zum Chef der Nephrologie seit 2003. So verbrachte er nahezu sein komplettes Berufsleben als Mediziner im Bethanien und hatte dadurch erheblichen Einfluss auf die Weiterentwicklung der Klinik – sowohl in medizinischer als auch in organisatorischer Hinsicht. Dr. Groß brachte neue Behandlungsmethoden ins Bethanien, sorgte für die Vernetzung damals zweier Dialyse-Stationen, wirkte bei der räumlichen Modernisierung der Klinik mit und bildete zahlreiche Assistenzärzt:innen aus.

Dass sich Dr. Groß nach seiner eigenen Facharztausbildung in der Inneren Medizin im Jahr 1990 für das Fach der Nephrologie entschied, ist auf den Einfluss seines ehemaligen Chefarztes Dr. Dietmar Bielert zurückzuführen. „Dr. Bielert war ein großes Vorbild für mich. Er hat mich für das Fach begeistert“, sagt Dr. Groß, der 1991 seine Facharztausbildung abschloss. „Nephrologen waren damals sehr gefragt, da sich nicht viele Assistenzärzte für diese Disziplin nach ihrer Ausbildung in der Inneren Medizin entschlossen haben“, erinnert sich Dr. Groß. Was ihn außerdem immer an dem Fach faszinierte, war die in der Dialyse eingesetzte Medizintechnik. „Die Nephrologie behandelt spezielle Krankheitsbilder mit speziellen Methoden. Als Arzt muss man ein Verständnis und die Expertise sowohl für die Medizin als auch für die Maschinen haben“, sagt er. Seine Technikaffinität führte Mitte der 90er-Jahre zur datentechnischen Vernetzung der damals zwei Dialysestationen im Krankenhaus. Dr. Groß befasste sich akribisch mit dem Computersystem des Krankenhauses und erstellte eigens Programme, die das Abrufen von Patientendaten an verschiedenen PC-Arbeitsplätzen möglich machten – ein Meilenstein zur damaligen Zeit.

Ein weiterer Meilenstein während seiner langjährigen Tätigkeit war die Einführung der Bauchfelldialyse im Bethanien. Anders als bei der üblichen Dialyse, die mittels Dialysemaschine durch das Blutsystem läuft, erfolgt die eigentliche Dialyse durch die Spülung des Bauchs. Bei der Bauchfelldialyse wird der Bauch mit einer speziellen Lösung gefüllt, die im Inneren diffundiert und wieder herausgelassen wird. Der Vorteil: Patient:innen können diese Spülung selber zuhause vornehmen und müssen dafür nicht regelmäßig ins Krankenhaus kommen, um an das Dialysegerät angeschlossen zu werden. „Diese Methode ist eher für jüngere Patientinnen und Patienten geeignet, die flexibel sein wollen“, so Dr. Groß, der zur Einführung der Bauchfelldialyse im Bethanien damals zuvor in Düsseldorfer und Karlsruher Unikliniken hospitierte. Mit großer Freude erinnert sich der scheidende Chefarzt auch an das Jahr 2011 zurück: Damals fand ein größerer Umbau der Dialysestationen statt, in dessen Zuge die Klinikräume komplett saniert und renoviert wurden.

Eine Besonderheit in der Nephrologie ist die Langzeitbetreuung von überwiegend älteren Patient:innen, die über einen längeren Zeitraum, meistens bis ans Lebensende, ins Krankenhaus zur Dialyse kommen. „Dadurch sind wir Nephrologen eine sehr lange Zeit an der Seite der oft gleichen Patientinnen und Patienten“, erklärt Dr. Groß. Ähnlich wie ein Hausarzt baue man dadurch eine enge Bindung zu den Patient:innen auf und bildet mit diesen nach einer gewissen Zeit ein eingespieltes Team. Gleiches gilt für die vielen Bewohner:innen des Seniorenstiftes, die Dr. Groß unter anderem als Hausarzt über etliche Jahre betreute. Dazu zählten auch ältere Bewohner:innen im geriatrischen Wohnbereich des Seniorenstiftes. Bis zu 100 Patient:innen betreute er bei seinen wöchentlich durchgeführten Hausarztvisiten. So geht mit Dr. Groß nicht nur ein langjähriger Chefarzt des Krankenhauses, sondern auch ein vertrauter Hausarzt für viele ältere Menschen im Seniorenstift.

Im seinem Ruhestand wird dem Neukirchen-Vluyner sicher nicht langweilig. Schließlich begeistert sich Dr. Groß unter anderem fürs Reisen, Fotografie, seinen heimischen Garten und handwerkliche Arbeiten mit Holz. Wahrscheinlich wird er aber auch öfter in schneereichen Regionen beim Skilaufen sein und auf Tennisplätzen rund um Neukirchen-Vluyn. Eine Herzensangelegenheit ist ihm das wohltätige Engagement beim Lions Club Vluyn, dem er sich weiterhin widmen möchte. Außerdem wird er gespannt die berufliche Laufbahn seines jüngsten Sohnes verfolgen, der derzeit als Assistenzarzt für Innere Medizin tätig ist. Die Stiftung Bethanien verabschiedet ihren langjährigen Chefarzt in den kommenden Wochen im Rahmen einer Feierstunde im Krankenhaus.

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